Just try me 关于爱情和那些魔鬼

International Film Festival Mannheim-Heidelberg 2012

Regisseur:  Zhao Xiatong

Als absurd und komisch bezeichnete der Regisseur selbst diesen eigensinnigen Film, der im internationalen Wettbewerb des 61. Internationalen Filmfestivals in Mannheim-Heidelberg lief. Zhao Xiatong hat sein Handwerk eigentlich am Theater gelernt und vielleicht ist sein Filmdebüt deshalb so außergewöhnlich. Er lässt in diesem Film auch keinen künstlerischen Effekt aus, so dass dieser zwar sehr anstrengende, sich oft wiederholende Film wiederum lustig und abwechslungsreich wird.

Eine junge Frau entwirft ihr Leben immer wieder aufs Neue bis sie schließlich „ihr“ richtiges, passendes Leben gefunden hat. Dabei schreibt sie ihre Entwürfe in ein Büchlein und geht nach jedem gescheiterten Entwurf ihre Geschichten auf der Leinwand per Fernbedienung und meistens begleitet von anderen Personen, die ihr ins Gewissen reden, noch einmal durch.

Die junge Frau wünscht sich in einer „typischen Fabrik“ in „einer typischen Stadt“ in China zu arbeiten und natürlich auch im Privaten ihr Glück zu finden. Und dazu gehört natürlich – so zumindest die Auffassung der Akteure in diesem Film – auch der richtige Mann. So bekommt sie von allen Seiten zu hören, wer zu ihr passen könnte und dass sie sich doch mit diesem oder jenem treffen sollte. Sie schlägt alle gut gemeinten Ratschläge in den Wind, bleibt lieber Single, betrinkt sich auf einer Hochzeit und gerät auf dem Nachhauseweg in eine Schlägerei. Im Krankenhaus verliebt sie sich in ihren Arzt und die beiden werden ein Paar. Doch das Glück hält nicht an, da seine Ex-Frau plötzlich in das Geschehen eingreift. Konzept gescheitert, also neuer Entwurf:

Sie schlägt dieses Mal nicht alle gut gemeinten Ratschläge in den Wind, trifft sich mit den Söhnen der Direktorin der Firma, doch irgendwie will es nicht recht klappen. Sie betrinkt sich auf der gleichen Hochzeit und gerät auf dem Nachhauseweg wieder in die gleiche Schlägerei. Im Krankenhaus behandelt sie wieder der gleiche Arzt, doch den hat sie ja bereits von der Liste gestrichen. Also wieder ein neuer Entwurf:

Dieses Mal trifft sie sich mit einem leitenden Angestellten, einem Worcaholic, der heimlich in sie verliebt ist, aber es nie zeigen würde. Doch durch einen Hinweis erfährt sie davon und die beiden kommen zusammen. Doch…wir kennen bereits den Ausgang dieser Geschichte. Und so beginnt nach jeder Geschichte eine neue und immer wieder landet die Protagonistin am gleichen Ausgangspunkt. Es ist tatsächlich zum verrückt werden. Doch am Ende wird zum Glück tatsächlich alles gut.

Der Film zeigt, wie sehr wir uns einerseits nach dem Glück sehnen und andererseits durch die vielen Möglichkeiten durcheinander gebracht werden. Oft verstellen wir uns im Leben und spielen eine Rolle, die uns selbst gar nicht gefällt oder werden durch gut gemeinte Ratschläge von unserem Weg abgedrängt. Dieser Film ist somit auch ein klares Statement gegen „gut gemeinte Ratschläge“ (oder wie sagen Kettcar das so schön: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint) und für die Selbstfindung jenseits aller Ratgeber, ob im Privaten oder im Beruf. Schade, dass wir nicht auch einfach auf „remote“ drücken können und so unsere Fehler analysieren und unsere Geschichte neu schreiben können. Aber ein bisschen Reflexion und Veränderung ist auch ohne technischen Schnickschnack in unserem Leben möglich.

 

Autorin: Esther Glück (social scientist at University of Duisburg-Essen)

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